Kommentar von Florian Born
Redakteur, e:mobil
E-Autos sind angeblich am besten in den Städten aufgehoben. Und damit enden viele Diskussion auch schon. Sollten sie aber nicht.  
Ein Renault Zoe ist eben nicht nur für Städte geeignet. Foto: Renault Communications
In meinem Freundeskreis habe ich beim Gespräch über Elektromobilität schon mehrfach folgende Aussage gehört: E-Autos sind die perfekten Stadt-Autos. Das klingt einleuchtend und viel weiter wollen die Leute dann auch nicht mehr darüber reden. Wozu auch? E-Autos sind Stadt-Autos und damit ist alles gesagt. Aber das stimmt nicht.   

E-Autos sind nämlich keine Stadt-Autos und alle, die so etwas behaupten, offenbaren damit, dass sie sich bis dato nicht mit den Mobilitätsformen der Zukunft auseinandergesetzt haben. Aber diese Aussage ist nicht nur falsch. Sie ist auch irreführend. Das hat zwei Gründe:  

Grund 1: Es braucht kein Stadt-Auto
Der erste Fehler in der Gleichung „E-Auto = Stadt-Auto“ hängt mit dem zweiten Begriff zusammen. Dem Stadt-Auto. Wer sich einmal mit der Mobilität der Zukunft auseinandersetzt, dem wird recht schnell bewusst, dass es so etwas nicht geben wird. Ein Stadt-Auto. Die Städte der Zukunft werden nämlich komplett ohne Individualverkehr auskommen. Zumindest wenn wir uns weiter in Richtung einer nachhaltigen Zukunft bewegen. Andernfalls ist das Thema Zukunft ohnehin hinfällig. 

Anstelle von privat gelenkten Autos sind die Städte der Zukunft bestimmt von öffentlichen Verkehrsmitteln (Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen und andere), von Taxis oder Ride-Hailing-Anbietenden wie Uber oder Lyft und den obligatorischen Lieferwägen. Gleichzeitig werden Fahrräder und unsere eigenen Füße wieder mehr an Stellenwert gewinnen. 

Grund dafür ist nicht nur, dass das die einzige ökologische Lösung für Städte ist, sondern sie ist auch völlig logisch. Wer in der Stadt lebt und arbeitet, braucht heute schon kein Auto mehr. Mit dem sichtbaren Ausbau von Öffi-Netzen und besser werdender Infrastruktur für Fahrräder ist man so signifikant schneller unterwegs als mit dem Auto. Außerdem erspart man sich so die mühsame Suche nach Parkplätzen, die Parkgebühren und den Frust, der entsteht, wenn man zur Rush Hour sein Auto im Stau parkt. 

Als Stadtmensch kann man sich das eigene Auto also sparen. Man braucht es nur für Fahrten außerhalb und dafür das gibt es in größeren Städten bereits Carsharing. Damit kann man die Verwandtschaft genauso besuchen und auch der nächste Trip zu IKEA ist unproblematisch.  

E-Autos werden in Städten aber dennoch eine Rolle spielen: Als Lieferwägen, Taxis, Busse und mehr. Natürlich auch für jene, die sehr oft dienstlich von der Stadt in die Peripherie müssen. Das Privat-Auto hat hier allerdings ausgedient. Es hat das Memo nur noch nicht bekommen.  

Grund 2: Das E-Auto ist auch ein Land-Auto
Aber Menschen leben nicht nur in Städten. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Sie leben auch im stark gedanklich vernachlässigten Raum dazwischen. Entgegen des ursprünglichen Arguments ist der als Umgebung für E-Autos wesentlich besser geeignet als Städte. 

Zum einen zahlt sich hier der private Besitz eines Autos tatsächlich aus. Hier kann man Strecken nicht einfach zu Fuß oder mit dem Fahrrad überwinden. Öffentliche Verkehrsmittel können wegen der geringeren Bebauungsdichte nie eine so gute zeitliche und räumliche Abdeckung erreichen wie in Städten.  

Die Reichweitenfrage stellt sich am Land gleich wenig wie in den Städten. Zu Verdeutlichung: Österreichs Autofahrende legen im Schnitt 34 km am Tag zurück. Auch der günstigere Citroën C-Zero kommt damit drei Tage aus, bevor er wieder ans Kabel muss.  

Apropos Kabel: Die sind am Land wesentlich leichter unterzubringen als in der Stadt. Sowohl private Wallboxen als auch öffentlich Ladestationen. Bei ersteren ist das schnell erklärt. Am Land besitzen mehr Leute ihren Wohnraum als in den Städten und die Installation einer Wallbox ist am eigenen Haus wesentlich simpler als in bei einer Mietwohnung.  

Bei öffentlichen Ladestationen hängt das vor allem mit Schnellladern zusammen. Die brauchen einen Ausbau der nahegelegenen Infrastruktur und sind in Städten wegen der dichteren Bebauung mit größeren Investitionen verbunden als am Land. Hier kann man Ladeparks mit Superschnellladern und einem netten Café daneben bauen. Ähnlich wie Tankstellen nur ohne die benebelnden Dämpfe. 

Kein Stadt-Auto
Also nein, E-Autos sind keine Stadt-Autos. Also hören wir doch bitte auch auf, sie als solche zu bezeichnen, zu vermarkten und zu verteufeln. Denn es braucht keine Autos in Städten und sie sind am Land viel besser aufgehoben.
Florian Born

Florian Born

Redakteur, e:mobil

schreibt bei e:mobil über die Gegenwart und die Zukunft der Elektro-Mobilität.

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