Aufholen - 20.11.18
Kommentar von Mario Buchinger
Unternehmensentwickler
Die Elektromobilität besteht nicht nur aus E-Autos. Sie ist eine zentrale Veränderung unserer Lebensweise. Die Autohersteller_innen haben das aber noch nicht verstanden.
Die deutschen Autobauer hinken in Sachen E-Mobilität noch stark hinterher. Foto: Volkswagen

Die Elektromobilität steht nicht nur für einen technischen Wandel, sondern auch für einen Paradigmenwechsel. Es wird darum gehen, Mobilität zu nutzen und nicht darum, ein Auto zu besitzen. Elektromobilität ist für diese Disruption ein wichtiger Schritt. Die Hersteller von Elektrofahrzeugen wissen außerdem, dass das klassische Werkstattgeschäft kleiner wird.

Sicher werden auch bei einem Elektrofahrzeug ein neuer Satz Reifen oder neue Stoßdämpfer nötig sein, aber die klassischen Umfänge, wie Abgassysteme, Kraftstofffilter oder der einfache Ölwechsel, entfallen. Da ein Elektrofahrzeug weit weniger wartungsintensiv ist und die existierenden Ressourcen mehr geteilt als besessen werden, müssen sich die Hersteller auf diesen Wandel frühzeitig einstellen.

Die Gefahr für Mitteleuropa?
Die deutsche Autoindustrie, die auch viele Zulieferfirmen in Österreich hat, ist dabei, die wohl größte Veränderung in der Branche zu verschlafen. Die derzeitigen Aktivitäten dienen eher zur Schönung der CO2-Flottenbilanz anstatt wirkliche Neuheiten hervorzubringen.

Die großen Innovationstreiber sitzen in China, den USA, Japan und Korea. Die Elektromobilität ist in vielen Ländern, gemessen an Deutschland, schon deutlich weiter verbreitet. Neben der Innovation zählen auch die Erfahrungswerte. Diese fehlen den deutschen Herstellern. Die deutsche Autolobby täte gut daran, sich eigenverantwortlich für die Zukunft aufzustellen anstatt nach staatlichen Subventionen zu schreien und Kunden zu belügen.

Es kommt noch dicker
Der Wandel in der Antriebstechnik ist aber nur der nächste Schritt einer tiefgreifenden Veränderungen. Hinzu kommen die Digitalisierung und Vernetzung der Mobilität. Hersteller, wie Apple oder Google, drängen mit Testfahrzeugen zum autonomen Fahren in den Automobilmarkt. Tesla ist kein Autohersteller, sondern Teil eines Mobilitätsdienstleisters.

Die Automobilhersteller müssen lernen, dass sie keine Blechbieger und Motorenhersteller mehr sein werden, sondern IT-Unternehmen, die nebenbei auch Autos herstellen, um Mobilität anstelle von Status anzubieten. Tesla, Apple, Google und andere haben das verstanden. Bei den deutschen Herstellern scheint diese Erkenntnis bisher noch nicht angekommen zu sein.

Es wird zu klären sein, ob die deutschen Automanager gerade dabei sind, die gleichen Fehler zu machen, wie die Manager der großen Elektrizitätserzeuger RWE, EON & Co., die ganz offensichtlich die erneuerbaren Energien verschlafen haben. Elon Musk, der Gründer von Tesla, sagte einmal: “When it becomes obvious, you’re too late”.

Mario Buchinger

Dr. Mario Buchinger

Unternehmensentwickler

ist Querdenker und Visionär und hat für Bosch und Daimler gearbeitet. Nun bildet er Unternehmen in der Verwendung von Kaizen aus. 

Kommentare  

#2 motoqtreiber 2018-12-13 17:50
Als der Dueck das vor 5-8 Jahren erzählt hat, war das noch innovativ. Jetzt ist es weder quer noch visionär, sondern allgemeine Erkenntnis
#1 energierebell 2018-11-28 13:23
Dr. Mario Buchinger hat es voll auf den Punkt gebracht es geht um eine tiefgreifende Mobilitätswende , bei der kein Stein auf den anderen bleibt, Elon Musk -Tesla sieht das genau so, darüber hinaus wird da E-Auto zum wichtigsten Strom Netz Stabilisator, die Mio. "Fahrbaren Speicher" haben enormes Potential, das von vielen noch nicht erkannt wird,..das E-Auto als Regelenergiekra ftwerk,...10% der Deutschen Autos als E-Auto könnten bereits 10 Atomkraftwerke für 10 Stunden ersetzen (100GW)

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