VERNETZT - 22.11.2018
Smatrics und Co bauen immer mehr Hürden für die Elektro-Lader ab und verwirklichen so sukzessive Barrierefreiheit. „Die Zukunft liegt in der Automatik, bei der die Ladesäule den Nutzer schon am Ladestecker erkennt“, sagt Smatrics-Geschäftsführer Michael-Viktor Fischer im Interview.
Das Laden von Elektroautos wird in Zukunft automatisiert und so noch einacher. Foto: © SMATRICS

Wo mit elektrischen Fahrzeugen gefahren wird, braucht es ein Ladenetz und wo es ein Ladenetz gibt, ist Smatrics nicht weit. Dieses Start-up, in das vor einiger Zeit neben Siemens und Verbund auch die OMV eingestiegen ist, ist einer der führenden Ladenetzbetreiber in Österreich. Wir führten mit dem umtriebigen Geschäftsführer Michael Fischer das folgende Interview.

e:mobil: Seit geraumer Zeit gibt es Bestrebungen, die Ladekarten von Smatrics und den Bundesländer-EVUs wie die „Tanke“-Karte der Wien-Energie gemeinsam nutzbar zu machen.
Fischer/Smatrics: Ja das ist richtig, daran arbeiten wir gemeinsam – doch das ist technisch nicht trivial, weil ja die verschiedenen Organisationen unterschiedliche IT-Systeme betreiben. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen, und zwar nicht in Jahren, sondern eher in einigen Monaten. Geben Sie uns noch ein wenig Zeit.

Wie weit ist man nun bei Smatrics selbst mit der Barrierefreiheit gekommen?
Die ist bei uns vollständig umgesetzt. Der weißrussische Teslafahrer kann in der Nacht um 3 Uhr an die Station kommen, den QR-Code einscannen, sich mit der Kreditkarte registrieren und laden. Dazu braucht er keinerlei zusätzliche Karte.

Und warum kann man an den Säulen nicht direkt mit der Kreditkarte zahlen?
Könnte man auch. Die Industrie bietet diese Module an, jedoch kostet so etwas rund 1.500 Euro zusätzlich und kann genauso kaputt oder von lustigen Zeitgenossen mit Kaugummi verklebt werden. Die Branche hat sich eher dorthin entwickelt, dass dies von der IT übernommen wird. Wir bekommen in Zukunft ein neues Übertragungs-Protokoll (Anm.: das ISO Protokoll 15118). Das Schlagwort ist "Plug & Charge", die Ladestation erkennt das Auto automatisch und macht dann die Abrechnung. Die Kreditkarte ist ja auch wieder nur eine Krücke. In Zukunft soll es für die meisten Ladevorgänge idealerweise gar keine Authentifizierung mehr geben. Überhaupt wenn es induktiv ist. Ich komme her, stelle das Auto ab und über eine Bodenplatte wird nicht nur das Auto erkannt, sondern auch automatisch geladen.

Die induktive Ladung ist aber doch eher noch ein Forschungs-Exot, oder?
Nein, das wird nicht mehr so lange dauern. Für den 5er-BMW wurde das jetzt schon angekündigt, für den Serienbereich. Ich habe auch bei meinem Hausbau den Strom schon zum Parkplatz hingeleitet. Und ich höre, dass man schon bis 180 kW DC laden kann, also im Schnelladebereich.

Dann sollte man aber nicht die Finger dazwischen bringen?
Na ja, die müssen natürlich gefahrlos zu bedienen sein. Ich schätze, hier wird es Abschaltvorrichtungen geben, z. B. für die Hauskatze.

Wenn alle überall laden können, verliert man als Smatrics aber die Kunden-Exklusivität, oder?
Wir öffnen uns. Wir wollen unsere Services über den Großhandel und über die gewerblichen Kunden verbreitern. Smatrics hat ja nicht nur die Ladestationen selbst, sondern bietet vor allem auch die Dienstleistung rund um die Elektromobilität an. Wir ziehen uns ein bisschen aus der B2C-Schiene raus und wenden uns stärker dem B2B-Bereich zu.
Und hier bieten wir dann gebrandete Lösungen für Ladesäulen an und übernehmen die gewünschten Services.

Wie seht die Abrechnung nach Kilowattstunden bei Smatrics aus?
Dazu muss man sagen: Die Abrechnung und das Pricing müssen zur Art des Ladesplatzes passen. Also Langsamladung dort, wo es passt, Schnelladung auf Plätzen, wo es schnell weitergehen soll oder dort, wo man nicht lange verbleibt. Und darauf sollte man das Tarifmodell abstimmen. kWh-Abrechnung ist möglich, aber es muss passen. Eine 350 kW-Ladesäule kostet derzeit weit über 500.000 Euro. Da ist das Thema Strom egal. Das Teure ist, dass sie sich anstecken und dort den teuren Platz verstellen – das muss zurückverdient werden. Also will ich, dass der Kunde schnell wieder wegfährt. Das will ja der Kunde auch. Also ist die Minutenabrechnung sinnvoll. Bei den langsamen Ladestationen ist es umgekehrt.

Wir wissen schon auch, dass die Klimabedingungen einen Einfluss auf die Ladebedingungen haben, also auf die Ladedauer. Hier arbeiten wir dran. Es wird wahrscheinlich immer eine Mischform sein: Eine Zeitkomponente und eine kWh-Tangente.
Ist natürlich nicht ganz einfach für uns und für die Kunden, aber wohl notwendig. Es muss uns bewusst sein, dass wir nicht kWh-verkaufen, sondern nur Mobilität. Es müssen die Investitionen und die Möglichkeiten des schnellen Tankens vom Kunden eben irgendwie aufgebracht werden.

Wir danken für das Gespräch. (hst)









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