Infrastruktur - 13.11.2018
Die Ladung an der Säule wird bald in einem Mix aus Kilowattstunden und Zeit abgerechnet, glaubt enio-Geschäftsführer Fritz Vogel. Er hat sich mit der Deutschen Telekom gerade einen Großkunden geangelt, und wird seine Steuerungssoftware in den Magenta-Säulen unterbringen.
Serie: Serie: Laden nach kWh oder nach Zeit?
Derzeit sind Ladungen an der Ladesäule noch etwas rätselhaft: Man weiß vielerorts nicht, wie viel denn die gezapfte Kilowattstunde kostet. 
Das wird sich ändern, bald werden die Ladesäulen umgestellt – von reinen Zeitpauschalen auf kWh-Laden.

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Schnellader werden teurer, langsame Stationen billiger zu haben sein. Foto: Starmühler Schnellader werden teurer, langsame Stationen billiger zu haben sein. Foto: Starmühler

Die enio GmbH mit 20 Mitarbeitern in Wien ist ein Pionier bei Abrechnungs- und Steuerungssoftware für das Lademanagement. Überall dort wo geladen wird, soll auch gesteuert werden. Von den derzeitigen Abrechnungs- und Bezahlsystemen wird man demnächst schon Abstand nehmen, ist jedenfalls Geschäftsführer Fritz Vogel überzeugt: "Es kommt nun vor allem darauf an, die Strommenge, die Leistung und die Zeit miteinander in Einklang zu bringen". Es sollen Angebot und Nachfrage besser als derzeit aufeinander abgestimmt werden. Vogel: "Wir haben sicherlich nicht zu wenig Strom für die Elektromobilität. In Deutschland werden pro Jahr 50 Terrawattstunden Strom zuviel produziert, für deren Entsorgung manchmal viel Geld ausgegeben wird." Allerdings seien die Spitzen des Verbrauchs das Problem. Und hier setzt seine Philosophie an: "Wir müssen dazu kommen, dass langsames und schnelles Laden unterschiedliche Preise hat". So könnte ein 150 kW-Gleichstromladen um 50 Eurocent pro Kilowattstunde abgegeben werden, wohingegen jemand, der den ganzen Tag zur Verfügung hat, langsam laden lässt – um vielleicht 15 Cent/kWh.

Jedem Parker seinen Charger
Ein Park-&-Ride-Platz mit hundert Ladepunkten und mehr – was schon bald Realität sein wird – lässt dann die Kunden per App entscheiden, wie sie laden wollen. Schnell und teuer oder langsam und billig. Wobei das Langsamladen auch unterbrochen werden kann, je nachdem, wie Nachfrage und Angebot zusammenpassen. Wenn sich beispielsweise gerade fünf Elektromobilisten die Schnellladung verpassen, können die Langsamlader Pause machen. Das Stromnetz und die Stromlieferanten freuen sich: Sie steuern selbst per Signal den Stromfluss des Parkhauses in vordefinierten Bandbreiten. Die befürchteten hohen Investitionen müssen so nicht mehr getätigt werden, weil das Auspegeln der Ladungen den Stromspitzen die Schneid nimmt. "Für 100 Ladepunkte kommt man mit 200 Kilowatt Anschlussleistung komfortabel aus", hat sich Fritz Vogel von enio ausgerechnet.

Apps sind entscheidend
Wichtig sei aber, dass die Konsumenten genau Bescheid wüssten, was sie bezahlen sollen und werden. Dieses Wissen verlagert sich zunehmen in die Apps-Welt, auch enio stellt gerade ein derartiges Handytool vor, mit dem der Kunde Kontakt zur Ladesäule aufnimmt.

Ab nun werden auch die magentafärbigen Ladesäulen der Deutschen Telekom mit dem Enio-Lademanagement ausgerüstet: Die Datentransporteure sind selbst die zweitgrößten Energieverbraucher Deutschlands und haben ein mehr als ambitioniertes Bauprogramm begonnen: In den kommenden drei Monaten sollen rund 100 Schnellladesäulen installiert werden, binnen drei Jahren sollen es 500 sein. Dazu kommen noch rund 12.000 Stromverteiler, die laut Telekom zum Umbau in eine Ladestation geeignet wärden.
Die Schnellader kosten pro Ladung (egal wie viel) derteit 14,49 Euro, die AC-Ladung macht 7,89 Euro aus. Das kWh-Abrechnen ist zwar noch nicht möglich, aber vom elektronischen Innenleben her jederzeit aktivierbar.
(hst)

Kommentare  

#1 Andreas Otahal Energie-Forum 2018-11-17 22:34
Bevor sich die EVU´s überlegen, wie sie den wenigen e-Autofahrern an sündteuren "Denkmälern" (=Ladesäulen)ei n paar Euros abknöpfen können, wäre es sinnvoller, an einfachen und günstigen Ladesäulen (wie z.B. Merkurcity Wr.Neustadt)den Strom für´s Nachladen während des Einkaufs gratis abzugeben. Die EVU´s sollten nicht vergessen, dass ihnen jeder neue e-Autofahrer jährlich um bis zu 500,-- Strom abkauft (meist zu Hause), die sie sonst gar nicht bekommen!

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