Pionier - 26.09.2018
Gastronom und Pionier Josef Floh von der Gastwirtschaft „Floh“ in Langenlebarn erzählt von der Chance der E-Mobilität für die Gastronomie.
Gastwirt Josef Floh ist für sein Engagement für die Elektromobilität bereits bekannt. Foto: Juergen Skarwan/skarwan.com

„Betriebe mit Bio-Zertifikat sowie „Radius 66“-Partner, die alle im Umkreis von 66 Kilometern um die Gastwirtschaft liegen, liefern hochwertige Grundprodukte, die Josef Floh in wunderbare Gerichte mit ungewöhnlichen Namen verwandelt”, ist auf der Gault Millau-Website über die Gastwirtschaft „Floh“ in Langenlebarn zu lesen. Chef Josef Floh ist überzeugter E-Mobilist und bietet seinen Gästen als Service eine E-Ladestation an.

e:mobil: Welchen Bezug haben Sie zur E-Mobilität?
Josef Floh: Ich habe mich mit dem Thema sehr lange auseinandergesetzt. Wir haben vor sechs Jahren das Haus umgestaltet, alles vorbereitet und vor fünf Jahren eine Elektrotankstelle verwirklicht. Ich fahre selbst mit einem Elektroauto und E-Autofahrer_innen sind bei mir herzlich willkommen.

Wie reagieren die Gäste?
Sehr positiv! Es ist für viele inzwischen schon normal, dass das da ist. Am Anfang war es schon ein Diskussionsfaktor – warum, wieso, weshalb. Wir haben mitgekriegt, dass man das dementsprechend mittransportiert.

Ist die Installation einer Ladestation unkomplizierter als man annehmen würde?
Wir haben unsere Voltbox gekauft – die Leitungen hatten wir ja schon vorinstalliert – und haben die Box angeschlossen, das war es!
Es gibt verschiedene fixfertige Ladestationen, die man hinstellen kann. Die Energieanbieter sind mittlerweile sehr kooperativ. Die niederösterreichische Wirtshauskultur, bei der auch wir dabei sind, strebt an, dass möglichst viele Mitgliedsbetriebe der Wirtshauskultur eine E-Tankstelle beim Gasthaus dabei haben.

Wie sind ihre Erfahrungen mit Wartung und Service der Ladestation und des Fahrzeugs?
Bis jetzt hatten wir noch nie ein technisches Gebrechen bei der Tankstelle und das Fahrzeug – ja, normales Jahresservice, ein Licht ist einmal kaputt und solche Sachen. Nichts ist anders als bei einem herkömmlichen PKW.

Wie haben sie die Voltbox im Betrieb integriert?
Es gibt unterschiedliche Modelle von der EVN, smatrics, Verbund oder Wien Energie. Das sind fertige Einheiten, die man kaufen oder mieten kann. Wir haben unsere hinter einer grünen Pflanzenwand – einer Holzwand mit vielen Pflanzen – versteckt, weil wir keine Plastiksäule vor dem Haus haben wollten. Sie ist, zu unseren Stil passend, verkleidet und aus der grünen Wand kommt unser Strom heraus.
Wir haben den Elektroparkplatz und einen Behindertenparkplatz vor dem Haus, die weiteren Parkplätze sind hinten und weiter weg. So ist unser Haus oft Auto-frei, was das Entree und den Blick betrifft.
Im öffentlichen Bereich ist die Einrichtung sicher schwieriger, auf Privatgrund kein Problem. Meistens ist genug Grundstückfläche vorhanden, dadurch ist eine Ladestation relativ einfach und unkompliziert umsetzbar.

Scheint die E-Lademöglichkeit in Verzeichnissen auf?
Manche Navis zeigen E-Tankstellen an und es gibt Tankstellenfinder. Entweder ein_e Kund_in meldet die Tankstelle oder man kann sich auch aktiv darum bemühen, in den verschiedenen Registern gefunden zu werden. Die niederösterreichischen Wirtshauskultur bietet eine eigene Straßenkarte für E-Autofahrer_innen. Der Hinweis im Gastronomieführer wird bald nichts Besonderes sein. Die Entwicklung ist dahingehend, die E-Ladestation als Serviceleistung für Gäste anzuführen – wie Telefonnummern, WLAN oder Ruhetage.

Verändert E-Mobilität den Alltag?
Wir leben unsere Radius-66-Philosophie – wir kaufen nicht weiter weg. Als erfahrener E-Mobilist geht man möglichst schonend mit der Reichweite um. Schnell ist nicht das Thema, sondern mit möglichst vielen Kilometern zurückzukommen. Früher bin ich im letzten Moment wegfahren, mit dem E-Auto man muss alles anders einteilen, es entschleunigt das Leben. Man muss planen – wie geht sich das aus, wo kann ich tanken – und man bleibt nicht ganz uneigennützig länger im Wirtshaus sitzen. Für die Gastronomie ist es sicher kein Nachteil, sondern eine Chance. Die Tankstellen haben der Gastronomie viel Umsatz weggenommen, jetzt machen wir es umgekehrt!

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