KONFERENZ - 08.11.2018
E-Autos werden kleiner, Dienstwägen sind kein Statussymbol mehr und öffentliches Laden muss Sinn haben. Bei der 4. E-Mobilität.jetzt-Konferenz am Donnerstag in Wien gab es viel Stoff zum Diskutieren.
Bei der E-Mobilität.jetzt-Konferenz in Wien wurden Technologie-Innovationen der E-Mobilitätsbranche vorgestellt und diskutiert. Foto: Sophie Kirchner

Zum vierten Mal fand dieses Jahr die Konferenz E-Mobilität.jetzt in Schönbrunn in Wien statt. In Vorträgen und Podiumsdiskussion beleuchtete sie Facetten der Elektromobilität aus Sicht der Wirtschaft, Forschung, Industrie und Gemeinden. Die Veranstaltung, die um die 200 Teilnehmer_innen begrüßen konnte, wird von WEKA Industrie Medien in Kooperation mit Austrian Mobile Power realisiert.

Der diesjährige Fokus lag auf den Maßnahmen, die die Bundesregierung im Bereich der E-Mobilität setzt, Neuerungen in der Ladetechnologie sowie internationale Best-Practice-Beispiele. Auffällig: nach wie vor kommen viele Innovationen aus China, den Niederlanden sowie Norwegen, aber auch Österreich etabliert sich als Start-Up-Quelle und interessanter E-Mobilitätsmarkt – sogar für chinesische Unternehmen.

Autos werden wieder kleiner
Ein Beispiel für letzteres ist Great Wall Motor Austria. General Manager Markus Schermann zeigt in seinen Prognosen, dass China in den nächsten Jahren zum Technology Leader der E-Mobilität wird. Grund dafür sind die im Vergleich zu Europa um ein Vielfaches strengeren Umwelt-Auflagen, die den E-Markt wachsen lassen. Das Unternehmen entwickelt zudem E-Autos, die sich preislich nicht mehr von Verbrennern unterscheiden. Diese sind kompakt, mit kleiner Batterie. „Es gibt immer mehr Menschen, immer weniger Platz. Deshalb müssen Fahrzeuge immer kleiner werden, um die individuelle Mobilität bei dieser Bevölkerungsdichte zu ermöglichen“, so Schermann.

Dienstwägen haben ausgedient
Die Frage, ob Dienstwägen für die heutige Zeit noch adäquat sind, beantwortet Matthias Prandtstetter, Senior Scientist bei AIT (Austrian Institute of Technology) mit „Nein“. Klassische Dienstwagenflotten wären zum Großteil überdimensioniert, es brauche darum ein bedarfsorientiertes Mobilitätsangebot – also „das richtige Fahrzeug für den nächsten Trip“. Das bedeutet, Transportmittel sollen individuell nach Geschäftsfahrten ausgesucht, alternative Transportmittel wie Taxi oder Öffis miteingebunden werden. „Das Statussymbol ‚Auto’ bzw. ‚Dienstwagen’ ist nicht mehr adäquat und muss sich zum Statussymbol ‚Mobilität’ verwandeln“, so Prandtstetter.

Kein langsames Laden im öffentlichen Raum
Auf die Frage, was Gemeinden tun können, um E-Mobilität weiter voranzutreiben, antwortet Jan Cupal, Senior Innovation Manager bei VERBUND Solutions, dass es aus seiner Sicht keinen Sinn mache, langsame Ladestationen auf öffentlichem Grund anzubieten. „Sie wollen die Gemeinde ja nicht zugeparkt haben“, meint er. „Stellen Sie sich eher die Frage, wo es sinnvoll ist, eine Ladestation zu installieren. Zum Beispiel in Parkgaragen oder am Supermarktparkplatz. Und dann setzen Sie sich mit den jeweiligen Betreibern in Verbindung.“ Es sei also eine Frage von: Wo will man in der Gemeinde die PKWs stehen haben?

Neue Technologien im Fokus
Neben den bekannten Playern der E-Mobilitäts-Infrastruktur wie Smatrics, ABB oder REXEL galt dem steirischen Start-Up Easelink große Aufmerksamkeit. Mit „Matrix Charging“ soll es laut Gründer Hermann Stockinger ab 2021 möglich sein, konduktiv und automatisiert über einer Ladeplatte am Boden zu laden. Konzipiert für (Mega-)Städte und kurzes Laden an allen möglichen Zwischenstopps. Interesse zeigt hier – wieder – der chinesische Markt.

Wasserstoff spielt mit
Spannend: Auch Wasserstoff-Projekte – wenn auch hauptsächlich noch im Forschungsstatus – sorgten bei der Konferenz für Gesprächsstoff. Insbesondere im Bereich von Transport und Logistik werden hier Chancen gesehen. Beispielsweise stellt der Lebensmitteleinzelhandel MPreis aus Tirol im Rahmen eines Zukunftsprojektes eigenen Wasserstoff her, um ab 2020 einige LKWs aus der Flotte damit zu betreiben. Klar ist allerdings, dass Wasserstoff allein nicht die Energiequelle der Zukunft sein wird. Auch da bisher kaum grüner Wasserstoff produziert wird. (sis)

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