Ländertest - 22.10.201
Im Interview mit e:mobil wünscht sich der Manager des rumänischen Ladenetzbetreibers "renovatio" eine Abkehr von der Gratismentalität. Im Gegensatz zur Praxis in Österreich ist in Rumänien bereits das Bezahlen nach Kilowattstunde Alltag.
So bewirbt man in Rumänien die Elektro-Charger: Der Hipster-Surfer zapft noch einige kWh beim Kaufland bevor es wieder nach Hause geht. Foto: Starmühler So bewirbt man in Rumänien die Elektro-Charger: Der Hipster-Surfer zapft noch einige kWh beim Kaufland bevor es wieder nach Hause geht. Foto: Starmühler

Oft hört man in Österreich, dass die Abrechnung der Ladeleistung nach verabreichter Menge (in Kilowattstunden) aus messtechnischen Gründen noch nicht möglich sei. Dies ist aber in einem wirtschaftlich deutlich schwächeren Land wie Rumänien schon gelöst. Die Charger des führenden Ladestationen-Betreibers "renovation e-charge" verrechnen nach kWh, auch wenn die Betreiber aus gesetzestechnischen Gründen "unit" zur Einheit sagen (müssen). 1 unit = 1 kWh. 
"Wir müssen das so nennen, damit wir die Diskussion mit Regierung und Elektrizitätswirtschaft nicht eskalieren lassen" sagt Andrei Galea, Manager und für Verrechnungen und Technik bei renovation zuständig. Denn auch in Rumänien versuchen die angestammten Elektroversorger ihr Stromhandelsmonopol nach Kräften zu schützen.

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Andrei Galea (renovatio e-charge)wünscht sich, dass die Nutzer einsehen, dass das ganze Ladenetz zu bezahlen ist. Foto: Herbert Starmühler

Gratismentalität beim Supermarkt
Wir haben ihn in im Bukarester Vorort Voluntari besucht und er erzählt uns von ganz anderen Schwierigkeiten: "Ich wünsche mir, dass die Leute endlich einsehen, dass der Aufbau einer Ladeinfrastruktur etwas kostet. Wir können diese Investitionen erst in sieben bis zehn Jahren wieder zurückverdienen". Doch in Rumänien haben sich die 1.300 rein elektrisch fahrenden und die um ein Vielfaches höher geschätzte Zahl der Hybridfahrer an die Gratiswelt gewöhnt: Ein guter Teil der Ladungen wird nämlich beim "Kaufland" erledigt, entgegen dem Firmennamen aber nicht "gekauft", sondern kostenlos gezogen. 
Kaufland hat im Rahmen eines EU-Projektes gemeinsam mit der Telekom Kroatiens praktisch die gesamte südliche Hälfte des Landes mit einem Ladenetz ausgestattet. Die dazu benötigte Ladekarte ist bei den Kaufland-Infoständen (am Eingang der Supermärkte) kostenlos erhältlich und gilt dann für alle Kaufland-Charger im Land.
Zwar profitiert "renovatio" als Errichter von dem Deal mit Kaufland, aber die Gratismentalität wird damit sehr gefördert. Manager Galea: "Es ist ein langsamer Prozess und wir verrechnen ohnehin nur umgerechnet 30 Eurocent pro kWh am Wechselstrom-Stecker und 42 Eurocent pro kWh für den schnelleren Gleichstrom".
(hst)


www.e-charge.ro

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